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Digitalisierung im Holzbau: ein Fahrplan in sechs Schritten für Zimmereien

Was Studien über die Digitalisierung im Handwerk belegen – und ein Fahrplan in sechs Schritten, mit dem eine Zimmerei vom Zettel zur durchgängigen Baustellenakte kommt.

Von SLLR Global Redaktion7 Min. Lesezeit

Wohnhaus in Holzrahmenbauweise beim Richtfest in Tauberbischofsheim
Inhalt
  1. Wo das Handwerk steht: die Zahlen
  2. Was das für den Holzbau bedeutet
  3. Der Fahrplan zur Holzbau Digitalisierung in sechs Schritten
  4. Schritt 1: Bestandsaufnahme an einem echten Auftrag
  5. Schritt 2: Stammdaten an einen Ort
  6. Schritt 3: Die Baustelle digital erfassen
  7. Schritt 4: Material und Geräte verfolgen
  8. Schritt 5: Vom Angebot bis zur Rechnung ohne Abtippen
  9. Schritt 6: Auswerten und nachsteuern
  10. Die Hürden ernst nehmen
  11. Checkliste für die nächsten 90 Tage
  12. Wie ERP Holzbau dazu passt
  13. Quellen

Digitalisierung im Holzbau heißt in der Konstruktion längst 3D-Modell und Abbundmaschine. Im Büro und auf der Baustelle sieht es oft anders aus: Stundenzettel im Handschuhfach, Lieferscheine im Ordner, Fotos im privaten Handy des Poliers. Dieser Beitrag zeigt, was aktuelle Studien über den Stand im Handwerk belegen, und schlägt einen Fahrplan in sechs Schritten vor, der zu einem kleinen Betrieb passt. Stand: 3. Oktober 2026.

Wo das Handwerk steht: die Zahlen

Für den Holzbau allein gibt es keine repräsentative Digitalisierungsstudie, die wir gefunden haben. Die nächstliegenden Daten stammen aus dem Handwerk insgesamt und aus dem Baugewerbe.

Befund Wert Quelle
Handwerksbetriebe, die Digitalisierung als Chance sehen 89 % Bitkom 2025
Selbsteinschätzung des eigenen Digitalisierungsstands (Schulnote) 3,0 Bitkom 2025
Schulnote bei Betrieben bis vier Beschäftigte / ab 20 Beschäftigte 3,2 / 2,1 Bitkom 2025
Betriebe, denen der Überblick fehlt, was technisch möglich ist 58 % Bitkom 2025
Betriebe, die Cloud Computing nutzen 56 % Bitkom 2025
„Wir haben zu viel zu tun, um uns mit der Digitalisierung zu beschäftigen“ 72 % Bitkom 2025
Digitalisierungsausgaben des mittelständischen Baugewerbes, zuletzt 0,9 Mrd. Euro KfW 2025

Die Bitkom-Studie beruht auf einer telefonischen, repräsentativ gewichteten Befragung von 504 Handwerksunternehmen im Jahr 2025. Sie zeigt ein klares Muster: Die Haltung ist positiv, die Umsetzung zögerlich. Und der Abstand zwischen kleinen und größeren Betrieben ist groß.

Die KfW ergänzt in ihrem Digitalisierungsbericht Mittelstand eine aufschlussreiche Beobachtung. Das Baugewerbe gibt unter den betrachteten Wirtschaftszweigen mit 0,9 Milliarden Euro am wenigsten für Digitalisierungsvorhaben aus, und dort konzentrierten sich Digitalisierungsaktivitäten „oftmals auf Geschäftsprozesse in der Verwaltung und seltener auf die unmittelbare Leistungserbringung“. Im Schnitt gibt ein digitalisierungsaktives Bauunternehmen nach dem KfW-Bericht knapp 11.000 Euro dafür aus. Kurz: Das Büro ist digitaler als die Baustelle.

Was das für den Holzbau bedeutet

Drei Zahlen aus dem Lagebericht 2026 von Holzbau Deutschland ordnen das ein:

  • Kleine Betriebe. 12.033 Betriebe mit 74.957 tätigen Personen, im Schnitt 6,2 je Betrieb; rund 80 Prozent haben weniger als zehn Beschäftigte. Kleine Betriebe bewerten ihren Digitalisierungsstand in der Bitkom-Studie deutlich schlechter als größere.
  • Gemeinkosten. Im Betriebsvergleich des Verbands entfällt die Hälfte der Vollkosten einer Facharbeiterstunde auf allgemeine Geschäftskosten. Organisation ist also kein Nebenthema, sondern ein großer Kostenblock.
  • Bestand. 45 Prozent des Umsatzes entstehen im Bauen im Bestand. Viele kleinere Baustellen bedeuten viel Abstimmung, viele Fahrten und viel Dokumentation.

Dazu kommt der Markt: Nach den Daten im Lagebericht – auf Grundlage der amtlichen Statistik, für 2025 ergänzt um Angaben der Landesämter und eigene Berechnungen – waren 2025 24,4 Prozent der genehmigten Wohngebäude überwiegend aus Holz geplant, ein Höchststand. Der Lagebericht hält außerdem fest, dass mit Vorfertigung und Projektgröße mehr technische Angestellte gebraucht werden, weil der Aufwand für planende, vorbereitende und koordinierende Aufgaben steigt. Holzbau Digitalisierung ist deshalb vor allem eine Frage der Koordination: Wer weiß wann, was wo ist?

Die ausführliche Auswertung der Studien finden Sie in unserer Publikation Digitalisierung im Bau- und Holzbauhandwerk, die Marktzahlen in Holzbau in Deutschland 2026.

Der Fahrplan zur Holzbau Digitalisierung in sechs Schritten

Der Fahrplan folgt einem Grundsatz: erst die Daten, die jeden Tag entstehen, dann die Auswertungen. Jeder Schritt soll für sich nützen, auch wenn der nächste noch Monate dauert.

Schritt 1: Bestandsaufnahme an einem echten Auftrag

Nehmen Sie eine abgeschlossene Baustelle und verfolgen Sie jeden Zettel: Wo wurde etwas zweimal geschrieben? Wo hat jemand gesucht? Wo kam eine Information zu spät? Ein Beispiel (ausgedacht): Bei einer Dachsanierung stellt sich heraus, dass die Stunden dreimal erfasst wurden – vom Gesellen auf Papier, vom Polier im Kalender, vom Büro in der Lohnliste. Das ist der erste Ansatzpunkt, nicht die Drohne.

Ergebnis: eine Liste mit fünf bis zehn Doppelerfassungen und Suchzeiten, sortiert nach Ärger.

Schritt 2: Stammdaten an einen Ort

Kunden, Lieferanten, Artikel, Mitarbeiter, Fahrzeuge und Geräte gehören in ein System, nicht in fünf Excel-Listen. Das ist unspektakulär, aber jeder spätere Schritt baut darauf auf. Bereinigen Sie dabei gleich: Doppelte Kunden, Artikel ohne Einheit und Geräte, die längst verschrottet sind, fliegen raus.

Ergebnis: eine Kundennummer, eine Artikelbezeichnung, eine Inventarnummer je Gerät.

Schritt 3: Die Baustelle digital erfassen

Hier liegt nach der KfW-Beobachtung die größte Lücke. Der Polier erfasst Stunden, Tagesbericht und Fotos am Handy – einmal, am Ort des Geschehens. Die Studie des ifh Göttingen beschreibt genau diesen Nutzen: Auftragsunterlagen werden mobil mitgeführt, Material, Arbeitszeit und Tätigkeiten per Foto dokumentiert, und so entsteht eine digitale Projektakte ohne Medienbrüche; Wege wie die Abgabe von Stundenzetteln auf Papier entfallen.

Wichtig für die Akzeptanz: kurze Eingaben, wenige Pflichtfelder, und der Polier sieht selbst einen Vorteil – etwa, dass der Bericht abends fertig ist statt am Freitag nachgeschrieben. Was hineingehört, beschreibt unser Beitrag Bautagebuch: Pflicht oder Kür?.

Die Betriebe selbst sehen den Nutzen vor allem im Alltag: In der Bitkom-Studie nennen 80 Prozent eine flexiblere Arbeitsorganisation und 76 Prozent Zeitersparnis als Vorteile digitaler Anwendungen. Das sind Einschätzungen der Befragten, keine gemessenen Wirkungen – aber sie zeigen, wo die Erwartung liegt.

Ergebnis: Stunden und Tagesberichte kommen am selben Tag im Büro an.

Schritt 4: Material und Geräte verfolgen

Im Holzbau verschwinden Dinge nicht im Lager, sondern zwischen Baustellen: der Kreissägentisch auf der einen, die Kartusche Montagekleber auf der anderen. Eine einfache Regel hilft: Was den Hof verlässt, wird einer Baustelle oder einem Fahrzeug zugeteilt – am besten per Scan eines Etiketts statt per Liste. In der Bitkom-Studie nennen 64 Prozent der Betriebe optimierte Lagerung und Logistik als Vorteil digitaler Anwendungen.

Zu Suchzeiten und Werkzeugverlusten auf Baustellen haben wir übrigens keine belastbare, öffentlich dokumentierte Erhebung gefunden. Messen Sie es selbst: Zwei Wochen lang notiert jeder Kolonnenführer, wie oft etwas gesucht oder nachgekauft wurde. Mehr dazu in den Beiträgen zu Werkzeugverwaltung und Bestand je Baustelle.

Ergebnis: Für jedes Gerät ist bekannt, wo es ist und seit wann.

Schritt 5: Vom Angebot bis zur Rechnung ohne Abtippen

Wenn Stunden und Material je Baustelle erfasst sind, kann die Rechnung daraus entstehen, statt aus Zetteln zusammengesucht zu werden. Das wird ab 2027 dringlicher: Für viele Betriebe endet dann die Übergangszeit, in der Rechnungen an Unternehmen noch auf Papier oder als einfaches PDF gestellt werden dürfen. Was gilt, steht im Beitrag E-Rechnung im Handwerk 2027.

Ergebnis: Nachkalkulation je Baustelle ist ein Klick, nicht ein Nachmittag.

Schritt 6: Auswerten und nachsteuern

Erst jetzt lohnen Auswertungen: Welche Baustellen haben ihr Budget überschritten? Welche Geräte stehen mehr, als sie arbeiten? Welche Prüffristen laufen im nächsten Monat ab? Legen Sie dafür einen festen Termin fest – etwa den ersten Montag im Monat, eine Stunde, Inhaber und Bauleitung.

Ergebnis: Entscheidungen auf Grundlage eigener Zahlen statt Bauchgefühl.

Die Hürden ernst nehmen

Die Bitkom-Studie nennt die Hemmnisse deutlich: 96 Prozent der Betriebe haben Bedenken zu IT-Sicherheit und Datenschutz, 69 Prozent nennen hohe Investitionskosten, 58 Prozent mangelnde Digitalkompetenz der Mitarbeitenden. Zugleich sagen 76 Prozent, ihre Mitarbeitenden bräuchten mehr Digitalkompetenz, aber nur 43 Prozent investieren gezielt in entsprechende Weiterbildung.

Hürde Was im Fahrplan dagegen hilft
Keine Zeit Ein Schritt nach dem anderen; jeder bringt für sich Nutzen
Sicherheit und Datenschutz Datenstandort in der EU, Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Rechte je Rolle – bei der Auswahl prüfen
Kosten Mit einem Bereich anfangen, nach drei Monaten bewerten
Kompetenz Den Polier früh einbinden; kurze Einweisung auf der Baustelle statt Schulungstag im Büro
Kein Überblick Bestandsaufnahme aus Schritt 1 als Maßstab für jedes Angebot

Wie Sie ein System für die Schritte 2 bis 6 auswählen, beschreibt unser Leitfaden ERP-System für den Holzbau auswählen; welche Software-Kategorien es gibt, der Überblick zur Holzbau-Software. Eine kompakte Einordnung bietet die Seite Digitalisierung im Holzbau.

Checkliste für die nächsten 90 Tage

  1. Eine abgeschlossene Baustelle als Muster auswählen und die Zettelwege aufschreiben.
  2. Eine verantwortliche Person benennen und ihr feste Stunden dafür geben.
  3. Stammdaten zusammenführen und bereinigen.
  4. Eine Kolonne testet die mobile Erfassung von Stunden und Tagesbericht vier Wochen lang.
  5. Gemeinsam auswerten: Was ist schneller geworden, was nervt?
  6. Erst dann den nächsten Schritt angehen.

Wie ERP Holzbau dazu passt

ERP Holzbau deckt die Schritte 2 bis 6 in einem System ab: Stammdaten, Baustellenakte mit Tagesberichten und Fotos, Zuteilung von Material und Geräten per Scan, Angebot und Rechnung, Prüffristen für Fahrzeuge und Geräte. Es läuft im Browser, auch auf dem Handy, und wird in der EU betrieben. Die Bereiche im Detail zeigt die Seite Module; wie es mit Ihren eigenen Baustellen aussieht, zeigen wir in einer Demo.

Quellen

Alle Quellen wurden am 3. Oktober 2026 abgerufen und die Aussagen dort geprüft.

Kommentare 1

  1. Leon

    Digitalisierung für Kleinunternehmer im Handwerk sollte meiner Meinung nach viel stärker gefördert werden.

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