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Holzbau-Software im Überblick: CAD/CAM, Kalkulation/AVA, ERP, Baustellen-Apps – wer macht was?

Welche Holzbau-Software welche Aufgabe übernimmt: CAD/CAM und Abbund, Kalkulation und AVA, ERP, Baustellen-Apps, Buchhaltung – und die Schnittstellen dazwischen.

Von SLLR Global Redaktion8 Min. Lesezeit

Holztragwerk in Modul- und Elementbauweise während der Montage
Inhalt
  1. Der Weg eines Auftrags durch die Software
  2. Holzbau-Software nach Kategorien
  3. CAD/CAM: Konstruktion und Abbund
  4. Kalkulation und AVA: Leistungsverzeichnisse und Preise
  5. ERP und Handwerkersoftware: der kaufmännische Kern
  6. Baustellen-Apps: Dokumentation, wo sie entsteht
  7. Drei Bruchstellen aus dem Alltag
  8. Checkliste: Wie passt die Landschaft zusammen?
  9. Was das für kleine Betriebe heißt
  10. Wo ERP Holzbau einzuordnen ist
  11. Quellen

Wer nach Holzbau-Software sucht, findet Konstruktionsprogramme, Kalkulationswerkzeuge, Handwerkerlösungen und Baustellen-Apps – oft mit ähnlichen Versprechen. Dieser Überblick sortiert die Kategorien danach, welche Aufgabe sie im Betrieb übernehmen, und zeigt, über welche Schnittstellen sie Daten austauschen. Produkte nennen wir nur als Beispiele für eine Kategorie, mit der Selbstbeschreibung des Herstellers; das ist weder eine Bewertung noch eine vollständige Liste. Stand: 3. Oktober 2026.

Der Weg eines Auftrags durch die Software

Am einfachsten versteht man die Landschaft an einem Auftrag. Ein Beispiel (ausgedacht): Eine Zimmerei mit 14 Beschäftigten bekommt von einem Generalunternehmer die Anfrage für die Außenwände eines Kindergartens in Holzrahmenbauweise.

  1. Das Leistungsverzeichnis kommt als GAEB-Datei. Die Arbeitsvorbereitung liest es ins Kalkulationsprogramm ein, setzt Preise ein und schickt das Angebot als GAEB-Datei zurück.
  2. Nach dem Auftrag konstruiert der Techniker die Wände im CAD/CAM-System, oft auf Grundlage eines IFC-Modells des Architekten.
  3. Aus dem Modell entstehen Stücklisten und Maschinendaten für Abbundanlage und Wandfertigung.
  4. Das ERP – oder die Handwerkersoftware – bestellt Material, plant Fahrzeuge und Kran, führt Stunden und Baustellenbestand und schreibt die Abschlagsrechnungen.
  5. Auf der Baustelle erfasst der Polier in einer App Tagesberichte, Fotos und Mängel.
  6. Die Buchhaltung – meist bei der Steuerberatung – bekommt Rechnungen und Buchungsdaten.

An jeder Nahtstelle wird entweder eine Datei übergeben oder abgetippt. Wie viel abgetippt wird, entscheidet über den Aufwand im Büro.

Holzbau-Software nach Kategorien

Kategorie Hauptaufgabe Typische Nutzer Wichtige Formate
CAD/CAM Konstruktion, Werkplanung, Stücklisten, Maschinendaten Technik, Arbeitsvorbereitung IFC, BTL/BTLx, herstellereigene Formate
Kalkulation/AVA Leistungsverzeichnisse, Preise, Angebote, Aufmaß Kalkulation, Bauleitung; AVA vor allem Planer GAEB DA XML
ERP/Handwerkersoftware Aufträge, Material, Lager, Personal, Fuhrpark, Rechnung Inhaber, Büro, Disposition XRechnung, ZUGFeRD, Export für die Buchhaltung
Baustellen-Apps Tagesbericht, Fotos, Mängel, Aufgaben Polier, Bauleitung Fotos, PDF, Projektdaten
Buchhaltung Finanzbuchhaltung, Steuern Steuerberatung, Büro DATEV-Datenservices, E-Rechnung

Die Grenzen sind fließend: Manche ERP-Systeme enthalten eine Kalkulation, manche Baustellen-Apps eine Zeiterfassung. Entscheidend ist, welches System für welche Daten führend ist.

CAD/CAM: Konstruktion und Abbund

Das CAD/CAM-System ist im Holzbau das Herzstück der Technik. Es erzeugt aus dem 3D-Modell Pläne, Stücklisten und die Steuerdaten für Abbundmaschinen, Wand- und Deckenfertigung. Beispiele für Anbieter dieser Kategorie, jeweils nach eigener Beschreibung:

  • cadwork bezeichnet sich als „die 3D-CAD/CAM Referenz im Holzbau“.
  • Dietrich's beschreibt sich als „CAD CAM Software für Holzbau Zimmerei Ingenieurbau Fertighaus“.
  • hsbcad nennt sich „Die Software für den Holzbau“, aufgebaut auf AutoCAD und Revit.
  • SEMA wirbt mit „spezialisierte[n] Werkzeuge[n] für Holzbau, Vorfertigung, Bedachung“.

Für die Auswahl ist weniger die Marke entscheidend als die Frage, welche Maschinen im Betrieb oder beim Lohnabbund-Partner stehen und welche Formate diese lesen.

Maschinendaten: BTL, BTLx und BVX. BTL und BTLx beschreiben nach der Projektseite design2machine die Geometrie von Holzbauteilen und ihre Bearbeitungen parametrisch – als Schnittstelle von der Konstruktionssoftware zur CNC-Maschine. Laut der Dokumentation von cadwork wurde das ASCII-basierte BTL-Format 2015 in das XML-basierte BTLx überführt. BVX ist ein Format für Maschinen von Hundegger; die Hilfe zu Tekla Structures beschreibt etwa, wie Bearbeitungen für den BVX-Export modelliert werden. Fragen Sie beim Abbund-Partner, welches Format er bevorzugt – das spart Rückfragen.

Modellaustausch: IFC. Die Industry Foundation Classes sind nach buildingSMART ein offener, herstellerneutraler Standard zur digitalen Beschreibung von Bauwerken, veröffentlicht als ISO 16739; die aktuelle Fassung IFC 4.3 erschien 2024 als ISO 16739-1:2024. Über IFC kommt das Architektenmodell in die Holzbauplanung und das Holzbaumodell zurück zu den anderen Gewerken.

Mehr zur Zimmerei-Praxis auf der Seite Zimmerei-Software.

Kalkulation und AVA: Leistungsverzeichnisse und Preise

AVA steht für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. AVA-Programme sind vor allem Werkzeuge der Planer und Auftraggeber; ein Beispiel ist ORCA AVA, das sich als AVA-Software mit Kostenplanung nach DIN 276 und GAEB-Zertifizierung beschreibt. Die Zimmerei sitzt meist auf der anderen Seite: Sie bekommt ein Leistungsverzeichnis und kalkuliert es.

Das Austauschformat ist GAEB DA XML. Die Fachdokumentation des GAEB in der Version 3.3 nennt unter anderem diese Datenaustauschphasen:

Phase Bedeutung Für die Zimmerei
X81 Leistungsbeschreibung Baubeschreibung und LV, in der Regel ohne Preise
X83 Angebotsaufforderung Das LV ohne Preise, das Sie vom Auftraggeber bekommen
X84 Angebotsabgabe Ihr Angebot: das LV mit Ihren Preisen zurück
X86 Auftragserteilung Der Auftrag, ggf. mit Nachträgen
X89 Rechnung Rechnung mit Leistungs- und Mengenansätzen

Ein Praxisbeispiel (ausgedacht): Ein Bauträger schickt das LV für einen Dachstuhl als PDF statt als X83. Die Arbeitsvorbereitung tippt 140 Positionen ab, übersieht eine Zulage für Sichtqualität und kalkuliert sie nicht. Mit einer GAEB-Datei wäre die Position nicht verloren gegangen. Fragen Sie deshalb bei Anfragen aktiv nach der GAEB-Datei.

ERP und Handwerkersoftware: der kaufmännische Kern

Hier laufen Aufträge, Material, Personal, Fahrzeuge und Rechnungen zusammen. Im Holzbau kommt hinzu, dass die Baustelle Kostenträger und Lagerort ist: Gerüst, Geräte und Restmaterial stehen dort, bis sie zurückkommen. Die Kategorie reicht von allgemeiner Handwerkersoftware – pds etwa beschreibt sich als „Handwerkersoftware für das moderne Baugewerbe“ – bis zu Branchenlösungen für den Holzbau.

Zwei Schnittstellen sind hier Pflichtprogramm:

  • E-Rechnung. Nach dem Bundesfinanzministerium erfüllen insbesondere XRechnung und ZUGFeRD ab Version 2.0.1 (ohne die Profile MINIMUM und BASIC-WL) die umsatzsteuerlichen Voraussetzungen einer E-Rechnung. XRechnung ist laut der Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) der Standard zur elektronischen Rechnungsstellung bei öffentlichen Auftraggebern und definiert die Rechnungsinformationen als XML-Datensatz. Fristen und Fälle erklärt unser Beitrag E-Rechnung im Handwerk 2027.
  • Buchhaltung. DATEV bietet Datenservices, über die Daten aus ERP- oder Fakturaprogrammen samt Belegbildern automatisiert in die DATEV-Buchführung übernommen werden können. Fragen Sie Ihre Steuerberatung, welcher Weg dort eingerichtet ist.

Wie man ein solches System auswählt, beschreibt unser Leitfaden ERP-System für den Holzbau auswählen; eine kurze Einordnung bietet die Seite ERP-System für den Holzbau.

Baustellen-Apps: Dokumentation, wo sie entsteht

Die vierte Kategorie gehört dem Polier. Baustellen- und Bauprojektmanagement-Apps erfassen Tagesberichte, Fotos, Mängel und Aufgaben dort, wo sie anfallen. Beispiele für die Kategorie sind PlanRadar, das sich als „Plattform für Baumanagement“ mit Aufgabenverwaltung, Kommunikation und Berichterstattung beschreibt, und Capmo, das sich als Bauprojektmanagement-Software bezeichnet.

Die entscheidende Frage ist hier nicht die Funktion, sondern der Weg der Daten: Landen die Stunden aus dem Tagesbericht in der Lohnabrechnung und auf der Baustellenkostenstelle, oder werden sie im Büro ein zweites Mal erfasst? Mehr zur Pflicht und Praxis des Bautagebuchs lesen Sie im Beitrag Bautagebuch: Pflicht oder Kür?.

Drei Bruchstellen aus dem Alltag

Wo es zwischen den Kategorien hakt, zeigen drei typische Situationen (ausgedacht, aber nicht ungewöhnlich):

  • Stückliste zu Bestellung. Das CAD liefert die Holzliste mit Querschnitten und Längen. Im Büro wird sie für die Bestellung beim Holzhandel neu geschrieben, mit anderen Artikelbezeichnungen. Bei einer Planänderung stimmen danach Liste und Bestellung nicht mehr überein. Abhilfe: einen Export aus dem CAD vereinbaren, den das kaufmännische System einlesen kann – mindestens als Tabelle.
  • Elementnummer zu Lieferschein. Im Elementbau tragen Wände im CAD eine Positionsnummer. Steht dieselbe Nummer auf Lieferschein und Ladeliste, findet der Polier beim Abladen die richtige Wand ohne Suchen. Fehlt sie, wird auf der Baustelle sortiert, während der Kran wartet.
  • Regiestunden zu Rechnung. Die Stunden für eine unvorhergesehene Auswechslung stehen in der App, die Rechnung entsteht im ERP. Ohne Übergabe gehen sie im Monatsende unter – und werden nicht abgerechnet.

Allen drei Fällen ist gemeinsam: Das Problem liegt oft weniger im Programm als darin, dass niemand die Übergabe festgelegt hat.

Checkliste: Wie passt die Landschaft zusammen?

  1. Führendes System je Datenart festlegen. Kunden und Rechnungen im ERP, Bauteile im CAD, Fotos in der Akte – und nirgends doppelt gepflegt.
  2. Jede Nahtstelle aufschreiben. Wer übergibt was an wen, als Datei oder abgetippt?
  3. Formate prüfen. GAEB-Phasen, IFC-Version, BTLx oder herstellereigenes Maschinenformat, E-Rechnungsformat, Übergabe an die Buchhaltung.
  4. Testdateien verlangen. Eine echte X83-Datei, ein echter IFC-Export, eine echte E-Rechnung – nicht nur die Zusage „können wir“.
  5. Exporte sichern. Jede Software sollte Ihre Daten in offenen Formaten herausgeben.
  6. Weniger ist mehr. Drei gut verbundene Programme sind besser als sechs, die nebeneinander herlaufen.

Was das für kleine Betriebe heißt

Nach dem Lagebericht 2026 von Holzbau Deutschland haben rund 80 Prozent der Betriebe im Zimmerer- und Holzbaugewerbe weniger als zehn Beschäftigte. Für sie ist die volle Landschaft selten sinnvoll. Ein häufiger, schlanker Aufbau: CAD/CAM für die Technik (oder Abbund beim Partner), ein kaufmännisches System für Auftrag, Material und Rechnung, eine mobile Erfassung für die Baustelle und eine saubere Übergabe an die Steuerberatung.

Die Lage der Branche und die Studienlage zur Digitalisierung haben wir in den Publikationen zusammengefasst; einen kompakten Einstieg bietet die Seite Holzbau-Software.

Wo ERP Holzbau einzuordnen ist

ERP Holzbau gehört in die Kategorie ERP und deckt den kaufmännischen und organisatorischen Teil ab: Lager mit Chargen und Seriennummern, Zuteilung per Scan auf Baustellen und Fahrzeuge, Baustellenakte mit Tagesberichten, Fuhrpark, Personal, Angebot und Rechnung, Einkauf und Dokumente. Konstruktion und Abbund sind nicht Teil des Systems – dafür bleibt das CAD/CAM-Programm zuständig. Die Bereiche im Detail zeigt die Seite Module; in einer Demo sehen Sie es mit Ihren eigenen Beispielen.

Quellen

Alle Quellen wurden am 3. Oktober 2026 abgerufen und die Aussagen dort geprüft.

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