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BIM im Holzbau: Datenaustausch von CAD und Abbund bis zur Baustelle – was kleine Zimmereien wirklich brauchen

IFC, BTLx, BVX: Welche Daten im Holzbau zwischen Planung, Abbund, Halle und Baustelle fließen, wo sie heute abreißen und welche Stufe der Digitalisierung für kleine Zimmereien sinnvoll ist.

Von SLLR Global Redaktion7 Min. Lesezeit

Tragwerk einer modernen Holzhalle im Bau
Inhalt
  1. BIM ist eine Arbeitsweise, kein Programm
  2. Die drei Formate, die Sie kennen sollten
  3. Wo der Datenfluss im Holzbau abreißt
  4. BIM-Pflicht? Was öffentliche Auftraggeber verlangen
  5. Ein Stufenmodell für kleine Betriebe
  6. Praxis: drei Szenen aus dem Holzbau
  7. Checkliste für die nächste Datenübergabe
  8. Und die Software?
  9. Quellen

„Machen Sie BIM?“ – die Frage kommt inzwischen auch bei kleineren Ausschreibungen. Viele Zimmereien antworten mit einem unsicheren „ein bisschen“. Dabei arbeitet der Holzbau seit Jahrzehnten mit digitalen Modellen: Ohne Datenübergabe vom Holzbau-CAD an die Abbundanlage läuft in kaum einer Halle etwas. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe, zeigt, wo der Datenfluss im Alltag tatsächlich abreißt, und beschreibt, welche Stufe für einen kleinen Betrieb sinnvoll ist. Stand: 3. Oktober 2026.

BIM ist eine Arbeitsweise, kein Programm

Building Information Modeling meint, dass die Beteiligten an einem Bauwerk mit einem gemeinsamen, digitalen Gebäudemodell arbeiten – mit Geometrie und mit Informationen: Bauteil, Material, Brandschutz, Menge, Termin. Eine Software, die „BIM kann“, ist dafür nötig, aber nicht ausreichend. Entscheidend ist, wer welche Information in welchem Format wann übergibt.

Für den Holzbau ist das weniger neu, als es klingt. Wer seine Wände, Decken und Dachelemente im Holzbau-CAD konstruiert und die Bearbeitungen an die Abbundanlage oder die Wandfertigung schickt, arbeitet bereits modellbasiert – nur meist innerhalb des eigenen Betriebs und nicht mit Architektin, Tragwerksplaner und Haustechnik gemeinsam.

Die drei Formate, die Sie kennen sollten

Format Wofür Wer erzeugt es Wer liest es
IFC herstellerneutraler Austausch des Gebäudemodells Architektur, Fachplanung, CAD andere Planungsprogramme, Prüfung
BTLx Bauteile und Bearbeitungen für die Holzbearbeitung Holzbau-CAD Abbund- und Bearbeitungsmaschinen
BVX Bearbeitungsdaten für Hundegger-Anlagen Holzbau-CAD Hundegger-Maschinensoftware

IFC (Industry Foundation Classes) ist der offene Standard von buildingSMART International für digitale Beschreibungen von Bauwerken. Er ist herstellerneutral und zusätzlich bei der ISO als Norm veröffentlicht. Die aktuelle offizielle Version ist nach Angaben von buildingSMART 4.3.2.0, kurz IFC 4.3, als ISO 16739-1:2024. Ältere, weiter verbreitete Versionen sind IFC 4 und IFC 2x3. Fragen Sie deshalb immer: welche IFC-Version?

BTL und BTLx stammen aus der Initiative design2machine, einer Kooperation von Maschinenherstellern und Softwareentwicklern. Ziel ist eine Standardschnittstelle von der Konstruktionssoftware zu CNC-Maschinen für Abbund, Dach, Blockbau und Holzhausbau. Die Formate beschreiben die Geometrie von Holzbauteilen und ihre Bearbeitungen parametrisch, dazu Informationen für Vorfertigung und Montage. Aktuell ist BTLx 2.3 (veröffentlicht am 8. Juli 2025); eine Version 2.4 steht laut design2machine seit August 2026 als Beta zum Testen bereit.

BVX ist ein Bearbeitungsformat für Abbundanlagen von Hundegger. Die Dokumentation von Tekla führt „Hundegger-BVX“ etwa als eigenes Timber-NC-Exportformat. Welche Variante Ihre Maschine erwartet, steht in der Maschinendokumentation oder beim Service des Herstellers.

Kurz: IFC verbindet Planungsbüros, BTLx und BVX verbinden CAD und Maschine. Für die Baustelle, das Lager und die Abrechnung ist keines der drei Formate gemacht.

Wo der Datenfluss im Holzbau abreißt

Ein typischer Weg eines Bauteils – sagen wir, einer Außenwand im Holzrahmenbau – sieht so aus:

  1. Planung: Architektin liefert Grundrisse als PDF, im besseren Fall ein IFC-Modell.
  2. Konstruktion: Die Arbeitsvorbereitung modelliert die Wand im Holzbau-CAD, mit Ständern, Rähm, Schwelle, Beplankung, Dämmung und Folie.
  3. Fertigung: Die Hölzer gehen als BTLx- oder BVX-Datei an die Abbundanlage, die Wand an den Wandtisch.
  4. Material: Die Stückliste geht als PDF oder Tabelle an den Einkauf. Platten, Dämmung, Folien und Verbindungsmittel werden bestellt.
  5. Lager und Verladung: Elemente und Kleinteile werden gerichtet, beschriftet und auf den Lkw verladen.
  6. Montage: Der Polier hat einen Ausdruck mit Elementplan und Positionsnummern.
  7. Abrechnung: Stunden, Material und Nachträge werden zurückgemeldet und abgerechnet.

Zwischen Schritt 1 und 3 ist der Holzbau oft digitaler als andere Gewerke. Ab Schritt 4 wird es dünn. Typische Lücken:

  • Stückliste als PDF. Der Einkauf tippt Mengen ab oder schätzt. Restmengen tauchen in keiner Bestandsliste auf.
  • Kleinteile fehlen im Modell. Schrauben, Winkel, Klebebänder und Dichtstoffe stehen selten vollständig in der CAD-Stückliste – auf der Baustelle fehlen dann genau sie.
  • Positionsnummern auf Papier. Die Nummer auf dem Element und die Nummer im Plan stimmen, aber niemand weiß ohne Nachfragen, welches Element auf welchem Lkw war.
  • Keine Rückmeldung. Was auf der Baustelle tatsächlich verbaut, nachbestellt oder zurückgebracht wurde, kommt nicht in die Kalkulation des nächsten Projekts.

BIM-Pflicht? Was öffentliche Auftraggeber verlangen

Eine allgemeine BIM-Pflicht für private Bauvorhaben enthalten die hier ausgewerteten Quellen nicht. Anders bei öffentlichen Bauherren: Der „Masterplan BIM für Bundesbauten“ von 2021 sieht für Bundesbaumaßnahmen eine gestufte, verbindliche Einführung vor. Laut Erläuterungsbericht sollen Baumaßnahmen ab 0,5 Millionen Euro ab 2025 im Level II und ab 2027 im Level III geführt werden. Dabei setzt der Bund nach Angaben von buildingSMART Deutschland ausdrücklich auf offene, nichtproprietäre Formate wie IFC und BCF. BCF, das BIM Collaboration Format, dient laut Masterplan dem herstellerneutralen Austausch von Koordinationsnachrichten zwischen BIM-Programmen.

Für eine Zimmerei, die als Nachunternehmer bei einem öffentlichen Projekt mitarbeitet, heißt das: Die Anforderungen kommen über die Vertragsunterlagen des Auftraggebers, im Bundesbau als Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA), die der Masterplan als projektspezifisches „BIM-Lastenheft“ beschreibt, und als BIM-Abwicklungsplan (BAP) auf Auftragnehmerseite. Lesen Sie diese Unterlagen vor der Angebotsabgabe – dort steht, welche Modelle in welchem Format und mit welchen Attributen zu liefern sind. Ob der Masterplan in allen Bundesvorhaben so umgesetzt wird, wie er 2021 geplant war, haben wir nicht geprüft.

Ein Stufenmodell für kleine Betriebe

Nicht jede Zimmerei braucht ein Common Data Environment. Sinnvoll ist, die nächste Stufe zu nehmen, nicht die übernächste.

Stufe Was der Betrieb kann Für wen sinnvoll
0 Pläne als PDF, Abbund per Hand oder mit Maschinendaten vom Lieferanten Sanierung, kleine Dachstühle
1 Holzbau-CAD mit Ausgabe an die eigene oder eine Lohnabbundanlage die meisten Zimmereien
2 IFC-Modelle der Planer lesen, eigene Teile als IFC zurückgeben Elementbau, Arbeit mit Planungsbüros
3 Stücklisten und Positionen digital an Einkauf, Lager und Baustelle Betriebe mit eigener Halle und Kolonnen
4 Modellbasierte Zusammenarbeit nach AIA/BAP mit allen Beteiligten öffentliche und große Projekte

Stufe 3 ist der unterschätzte Schritt. Sie hat mit BIM im engen Sinn wenig zu tun, bringt aber im Alltag oft mehr als ein perfektes IFC-Modell: Material ist bestellt, wenn es gebraucht wird, und jeder weiß, wo die Elemente gerade sind.

Praxis: drei Szenen aus dem Holzbau

Lohnabbund. Eine kleine Zimmerei ohne eigene Anlage lässt Dachstühle beim Nachbarbetrieb abbinden. Sie liefert eine BTLx-Datei aus ihrem CAD. Wichtig ist hier nicht BIM, sondern eine Absprache: Welche BTLx-Version, welche Bearbeitungen kann die Maschine, wer prüft die Datei vor dem Abbund? Ein kurzer Testdatensatz vor dem ersten Auftrag spart Ärger.

Elementbau für einen Bauträger. Das Planungsbüro liefert ein IFC-Modell. Die Arbeitsvorbereitung übernimmt Achsen, Öffnungen und Geschosshöhen, konstruiert die Elemente und gibt sie wieder als IFC zurück, damit die Haustechnik ihre Durchbrüche prüfen kann. Rückfragen laufen im Idealfall als Koordinationsnachrichten im BCF-Format, nicht über E-Mails mit Screenshots.

Montage. Der Polier braucht kein Modell auf dem Tablet, wenn die Verbindung schlecht ist. Er braucht eine Ladeliste, die mit den Etiketten auf den Elementen übereinstimmt, und eine Möglichkeit, fehlende Teile sofort zu melden. Je weniger Medienbrüche zwischen Stückliste, Verladung und Baustelle, desto seltener die Fahrt zurück in die Halle.

Checkliste für die nächste Datenübergabe

  1. Format und Version schriftlich festhalten: IFC 2x3, IFC 4 oder IFC 4.3? BTLx 2.2 oder 2.3? BVX?
  2. Koordinaten und Nullpunkt abstimmen, bevor das erste Modell ausgetauscht wird.
  3. Positionsnummern einmal festlegen und überall gleich verwenden: CAD, Etikett, Ladeliste, Bautagebuch.
  4. Stückliste vollständig: Gehören Verbindungsmittel, Folien und Dichtstoffe hinein? Wenn nicht, wer ergänzt sie?
  5. Stückliste maschinenlesbar weitergeben, nicht als PDF.
  6. Material mit Herstellerangaben führen – Artikelnummer, Einheit, wenn vorhanden EAN. Dann kann der Wareneingang scannen statt tippen.
  7. Rückmeldung einplanen: Was wurde verbaut, was blieb übrig, was kam zurück ins Lager?
  8. Verantwortlich benennen: Eine Person in der Arbeitsvorbereitung ist für die Daten zuständig, eine Vertretung auch.

Und die Software?

Ein Holzbau-CAD erzeugt Modell und Maschinendaten. Ein ERP-System ist dafür kein Ersatz. Seine Aufgabe beginnt dort, wo die meisten Lücken liegen: bei Material, Lager, Baustelle und Abrechnung. Was eine Holzbau-Software dafür mitbringen sollte, haben wir gesondert zusammengestellt, ebenso die Anforderungen speziell für Holzrahmenbau und Zimmereien.

ERP Holzbau führt unter anderem Stücklisten, Bestand je Baustelle, Bestellvorschläge und einen Herstellerkatalog mit EAN; Material wird per Scan Baustellen und Fahrzeugen zugeteilt (siehe Module). Ein CAD-Programm ist es nicht, und einen Import von IFC- oder BTLx-Dateien versprechen wir an dieser Stelle nicht. Welche Übergabe zwischen Ihrem CAD und dem Lager sinnvoll ist, klären wir gern in einer Demo.

Quellen

Alle Quellen wurden am 3. Oktober 2026 abgerufen und die Aussagen dort geprüft.

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