Nachkalkulation im Holzbau: Welche Baustelle hat Geld verdient – und warum?
Nachkalkulation in der Zimmerei: Ist-Kosten je Baustelle für Material, Stunden, Geräte und Fahrzeuge, Soll-Ist-Vergleich, vier Kennzahlen, typische Fehler und ein Rechenbeispiel.

Inhalt
- Warum die Nachkalkulation in vielen Zimmereien ausfällt
- Was Nachkalkulation ist – und was nicht
- Die vier Kostenblöcke je Baustelle
- Woher die Ist-Zahlen kommen, ohne Zusatzaufwand
- Soll gegen Ist: drei Fragen statt zwanzig Kennzahlen
- Vier Kennzahlen, die genügen
- Rechenbeispiel: Dachsanierung mit Aufsparrendämmung
- Typische Fehler bei der Nachkalkulation
- Und digital?
- Quellen
Die Nachkalkulation beantwortet eine einfache Frage: Hat diese Baustelle Geld verdient – und wenn nicht, wo ist es geblieben? Im Holzbau scheitert sie selten am Rechnen, sondern daran, dass Stunden, Material, Kran und Kilometer auf fünf verschiedenen Zetteln stehen. Dieser Beitrag zeigt, welche Ist-Kosten Sie je Baustelle brauchen, wie der Soll-Ist-Vergleich gelingt, welche Kennzahlen reichen und welche Fehler am häufigsten passieren – mit einem Rechenbeispiel. Stand: 3. Oktober 2026.
Warum die Nachkalkulation in vielen Zimmereien ausfällt
Fragt man Inhaber nach der Nachkalkulation, hört man oft: „Mach ich, wenn Zeit ist.“ Zeit ist aber selten, und nach drei Wochen weiß niemand mehr, ob die Dämmung nachbestellt wurde oder warum die Kolonne am Dienstag zwei Stunden gewartet hat. Die Daten entstehen auf der Baustelle, die Auswertung im Büro – dazwischen liegen Stundenzettel, Lieferscheine und Erinnerungen.
Dabei ist der Spielraum klein. Im Betriebsvergleich von Holzbau Deutschland für das Geschäftsjahr 2024 lag das betriebswirtschaftliche Ergebnis der teilnehmenden Betriebe bei 3,1 Prozent der Gesamtleistung. Das Betriebsergebnis vor kalkulatorischen Kosten betrug 8,6 Prozent. Wer bei einer Baustelle zehn Prozent mehr Stunden braucht als geplant, hat damit schnell mehr verloren, als die Baustelle im Durchschnitt überhaupt abwirft.
Dazu kommt der Stundensatz. Die Vollkosten eines Facharbeiters im Zimmererhandwerk lagen 2024 im Schnitt bei 83,15 Euro je Stunde. Die Hälfte davon, 41,22 Euro, waren allgemeine Geschäftskosten – Büro, Hallen, Fahrzeuge, Versicherungen. Jede Stunde, die auf der Baustelle mehr gebraucht wird, kostet also nicht nur den Lohn.
Was Nachkalkulation ist – und was nicht
Die Vorkalkulation legt vor dem Auftrag fest, was eine Leistung kosten darf: Stunden, Material, Geräte, Fremdleistungen, Zuschläge. Daraus wird der Angebotspreis. Die mitlaufende Kalkulation beobachtet während der Ausführung, ob die Baustelle im Plan liegt. Die Nachkalkulation stellt nach Abschluss die tatsächlichen Kosten den geplanten gegenüber und fragt nach den Gründen.
Nachkalkulation ist kein Vorwurf an die Kolonne. Sie ist die einzige Quelle für bessere Angebote: Wer weiß, dass Kehlen und Gauben regelmäßig länger dauern als angesetzt, kalkuliert das nächste Dach anders.
Die vier Kostenblöcke je Baustelle
Für eine brauchbare Nachkalkulation reichen in den meisten Zimmereien vier Blöcke. Wichtig ist, dass jeder Block je Baustelle erfasst wird – nicht nur als Monatssumme.
| Kostenblock | Was hineingehört | Woher die Ist-Zahl kommt |
|---|---|---|
| Material | Holz, Platten, Dämmung, Folien, Verbindungsmittel, Kleinteile; Rücklieferungen abziehen | Lieferscheine und Rechnungen mit Baustellenbezug, Entnahmen aus dem eigenen Lager |
| Stunden | Montage, Abbund für diese Baustelle, Regie, Wartezeiten; getrennt nach Tätigkeit, wenn möglich | Stundenzettel oder Tagesbericht mit Mannschaft und Stunden |
| Geräte | Kran, Hubarbeitsbühne, Gerüst, Telestapler – gemietet oder eigen | Mietrechnungen; für eigene Geräte Einsatztage mal internem Satz |
| Fahrzeuge | Fahrten zur Baustelle, Materialtransporte, Lkw mit Ladekran | Fahrtenbuch oder Kilometerstände mit Baustellenbezug |
Fremdleistungen (Dachdecker, Spengler, Statik) kommen als fünfter Block dazu, wenn Sie sie selbst vergeben.
Eigene Geräte sind der Block, der am häufigsten fehlt. Ein Gerüst, das zwei Wochen länger auf der Baustelle steht, kostet nichts extra – scheinbar. Tatsächlich fehlt es auf der nächsten Baustelle oder muss gemietet werden. Für Baugeräte gibt es mit der Baugeräteliste (BGL) ein Standardwerk, das je Gerät Werte für Abschreibung, Verzinsung und Reparaturkosten nennt. Für eine Zimmerei genügt oft ein einfacher Tagessatz je Geräteklasse, den Sie einmal festlegen und dann konsequent ansetzen.
Woher die Ist-Zahlen kommen, ohne Zusatzaufwand
Die meisten Nachkalkulationen scheitern nicht an der Auswertung, sondern an der Erfassung. Drei Regeln helfen:
- Jeder Beleg trägt die Baustelle. Lieferschein, Mietrechnung, Tankbeleg: Baustellennummer drauf, bevor er ins Büro geht. Bei Lieferanten können Sie die Baustelle oft als Bestellzeichen angeben.
- Stunden am selben Tag, je Baustelle. Wer seine Stunden am Freitag für die Woche schreibt, verteilt sie gleichmäßig – und die Wartezeit vom Dienstag verschwindet. Ein Tagesbericht mit Mannschaft und Stunden liefert die Zahl ohne zweiten Zettel. Wie ein solcher Bericht aussieht, steht im Beitrag Bautagesbericht schreiben.
- Material vom eigenen Lager wird gebucht, nicht geschätzt. Was vom Hof auf den Lkw geht, wird der Baustelle zugeordnet; was zurückkommt, wird gutgeschrieben. Wie das im Alltag funktioniert, beschreibt der Beitrag Lagerverwaltung für die Baustelle.
Soll gegen Ist: drei Fragen statt zwanzig Kennzahlen
Ein Soll-Ist-Vergleich muss nicht kompliziert sein. Stellen Sie je Kostenblock drei Fragen:
- Wie groß ist die Abweichung? In Euro und in Prozent. Unter fünf Prozent ist meist Rauschen.
- Woher kommt sie? Mehrmenge (mehr Material, mehr Stunden) oder Mehrpreis (teurer eingekauft, höherer Satz)?
- Wer hätte sie bezahlen müssen? Wir selbst (Fehleinschätzung), der Auftraggeber (Nachtrag, Regie, Behinderung) oder niemand (Wetter, Pech)?
Die dritte Frage ist die wichtigste. Ein Teil der Mehrstunden in Zimmereien sind Leistungen, die nie berechnet wurden: Regiearbeiten, Wartezeiten wegen fehlender Vorleistungen, Zusatzwünsche auf Zuruf. Die Nachkalkulation zeigt sie – aber nur, wenn sie im Tagesbericht standen.
Vier Kennzahlen, die genügen
| Kennzahl | Rechnung | Wozu |
|---|---|---|
| Stundenabweichung | (Ist-Stunden − Soll-Stunden) ÷ Soll-Stunden | Größter Hebel im Holzbau; zeigt, ob der Zeitansatz stimmt |
| Materialabweichung | (Ist-Material − Soll-Material) ÷ Soll-Material | Verschnitt, Nachkäufe, Preissteigerungen |
| Deckungsbeitrag je Stunde | (Erlös − Material − Geräte − Fahrzeuge − Fremdleistung) ÷ Ist-Stunden | Was jede Stunde eingebracht hat; muss über Ihrem Stundenkostensatz liegen |
| Nicht berechnete Leistung | Regie- und Wartestunden ohne Nachtrag × Satz | Geld, das auf der Baustelle liegen geblieben ist |
Der Deckungsbeitrag je Stunde ist die ehrlichste Zahl für einen Lohnbetrieb. Er muss mindestens den Stundenkostensatz Ihres Betriebs decken. Zur Einordnung: Im Betriebsvergleich von Holzbau Deutschland lag der über den Lohn verrechnete Stundenkostensatz 2024 bei durchschnittlich 70,73 Euro. Ihr eigener Satz kann deutlich abweichen – rechnen Sie ihn mit Ihrer Steuerberatung oder dem Betriebsberater Ihrer Handwerkskammer aus.
Rechenbeispiel: Dachsanierung mit Aufsparrendämmung
Achtung: Das folgende Beispiel ist ausgedacht. Betrieb, Baustelle und alle Zahlen sind erfunden und dienen nur der Rechnung. Sie stammen nicht von einem Kunden und sind keine Branchenwerte.
Eine Zimmerei saniert das Dach eines Einfamilienhauses: Eindeckung runter, Aufsparrendämmung, neue Lattung. Angebot netto 32.000 Euro. Kalkuliert wurde mit einem internen Stundensatz von 70 Euro, einem eigenen Gerüst zu 60 Euro je Tag und 0,90 Euro je Fahrzeugkilometer.
| Kostenblock | Soll | Ist | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Stunden | 180 h × 70 € = 12.600 € | 214 h × 70 € = 14.980 € | +2.380 € (+18,9 %) |
| Material | 14.000 € | 14.600 € | +600 € (+4,3 %) |
| Geräte | Kran 1.400 € + Gerüst 10 Tage 600 € = 2.000 € | Kran 1.400 € + Gerüst 14 Tage 840 € = 2.240 € | +240 € |
| Fahrzeuge | 1.000 km = 900 € | 1.300 km = 1.170 € | +270 € |
| Summe | 29.500 € | 32.990 € | +3.490 € |
| Ergebnis (32.000 € Erlös) | +2.500 € | −990 € |
Auf den ersten Blick: Die Baustelle hat Geld gekostet, Schuld sind die Stunden. Der Blick in die Tagesberichte zeigt, woher die 34 Mehrstunden kommen:
- 12 Stunden für den Austausch einer morschen Pfette. Der Bauherr hatte sie auf der Baustelle mündlich beauftragt – eine Regieleistung, die nie berechnet wurde. Bei einem Regiesatz von 75 Euro wären das 900 Euro gewesen.
- 8 Stunden Wartezeit: Vier Mann standen zwei Stunden, weil der Kran zu spät kam. Ob das jemand anderem in Rechnung gestellt werden kann, hängt vom Vertrag mit dem Kranverleih ab – dokumentiert war es nur im Tagesbericht.
- 14 Stunden Mehraufwand an Kehle und Anschlüssen. Das ist eine echte Fehleinschätzung in der Vorkalkulation.
Die Kennzahlen dazu:
- Deckungsbeitrag je Stunde, Soll: (32.000 − 14.000 − 2.000 − 900) ÷ 180 = 83,89 Euro
- Deckungsbeitrag je Stunde, Ist: (32.000 − 14.600 − 2.240 − 1.170) ÷ 214 = 65,37 Euro
Geplant war ein Puffer von knapp 14 Euro über dem Stundensatz von 70 Euro. Tatsächlich lag jede Stunde gut 4,60 Euro darunter.
Was der Betrieb daraus lernt: Erstens werden Regiearbeiten auf der Baustelle noch am selben Tag mit Uhrzeit, Anlass und Auftraggeber notiert und gehen sofort ins Büro. Zweitens werden Kranzeiten im Tagesbericht mit „bestellt für“ und „eingetroffen um“ festgehalten. Drittens bekommt die Kalkulation für Kehlen einen höheren Zeitansatz – genau um den Betrag, den die nächsten zwei, drei Nachkalkulationen bestätigen.
Typische Fehler bei der Nachkalkulation
- Erst am Ende rechnen. Wer erst nach der Schlussrechnung nachkalkuliert, kann nichts mehr ändern. Eine kurze Zwischenprüfung zur Halbzeit fängt Nachträge ab, solange der Auftraggeber noch erreichbar ist.
- Stunden nur als Wochensumme. Ohne Tag und Baustelle lässt sich keine Abweichung erklären.
- Eigenes Lager und eigene Geräte vergessen. Das Material vom Hof und das eigene Gerüst erscheinen auf keiner Rechnung – und fehlen deshalb in der Auswertung.
- Pauschale Gemeinkosten statt eigener Sätze. Ein Stundensatz aus dem Bauchgefühl macht jede Nachkalkulation wertlos. Rechnen Sie Ihren Satz einmal im Jahr neu.
- Ergebnisse nicht zurückspielen. Die Nachkalkulation landet im Ordner, das nächste Angebot wird mit denselben Zeitansätzen geschrieben. Legen Sie fest, wer die Erkenntnisse in die Kalkulationsvorlagen überträgt.
- Die Kolonne nicht beteiligen. Wer die Zahlen nur im Büro bespricht, erfährt nie, warum die Kehle länger gedauert hat. Fünf Minuten mit dem Polier bringen mehr als jede Tabelle.
Und digital?
Je weniger von Hand zusammengetragen werden muss, desto eher wird nachkalkuliert. In ERP Holzbau laufen je Baustelle Materialverbrauch, Stunden und gefahrene Kilometer als Ist-Kosten zusammen – Material mal Preis, Stunden mal Satz, Kilometer mal Satz – und stehen dem Budget der Baustelle gegenüber. Die Stunden kommen aus der Mannschaft des Tagesberichts, das Material aus der Zuteilung per Scan, die Kilometer aus dem Fahrtenbuch. Aus diesen Ist-Kosten lässt sich ein Rechnungsentwurf erzeugen. Welche Geräte gerade auf der Baustelle stehen, ist sichtbar; einen eigenen Kostensatz für Geräte rechnet die Kostenübersicht nicht automatisch ein. Eine Vorkalkulation nach Leistungsverzeichnis ist nicht der Schwerpunkt der Software.
Wie das für eine Zimmerei aussieht, zeigt die Seite Zimmerei-Software; alle Bereiche stehen unter Module, die Einordnung als Gesamtsystem unter ERP-System für den Holzbau. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, steht im Beitrag ERP-System für den Holzbau auswählen. Wenn Sie den Kostenstand mit Ihren eigenen Baustellen sehen möchten: Demo anfragen.
Quellen
Alle Quellen wurden am 3. Oktober 2026 abgerufen und die Aussagen dort geprüft.



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